Psychotherapie

Kognitive Verhaltenstherapie

Jugendliche

Die Verhaltenstherapie zählt zu den wichtigsten anerkannten Behandlungsansätzen bei der Therapie von Kindern und Jugendlichen. Sie wurde aus der sogenannten Lerntheorie entwickelt. Der Kerngedanke ist, dass (problematisches) Verhalten, Denken und Fühlen gelernt wird und dementsprechend auch wieder 'verlernt' werden kann. So können neue, angenehmere und weniger belastende Verhaltensmuster erlernt werden. Der Begriff kognitive Verhaltenstherapie trägt der Tatsache Rechnung, dass die Verhaltenstherapie sich neben einer Verhaltensänderung auch mit der Veränderung der gedanklichen und emotionalen Schemata von Patienten beschäftigt. Häufig werden Verhaltensübungen eingesetzt, die sowohl offen (in der Sitzung oder als Hausaufgaben) oder auch verdeckt, d.h. nur in der Vorstellung der Patienten durchgeführt werden können. Wichtig zu erwähnen ist, dass nicht nur das Symptom bekämpft wird, sondern an der aufrechterhaltenden Bedingung gearbeitet wird.

Traumatherapie

Das Wort Trauma hat seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet „Wunde“ oder „Verletzung“. Hier geht es also um seelische Verletzungen, die allerdings in Folge von extremer oder lebensbedrohlicher Belastung auftritt. Wenn jemand einem oder mehreren traumatischen Ereignissen ausgesetzt war, erschüttert diese Erfahrung sein Selbst- und Weltbild und das hat dann auch große Auswirkungen darauf, wie man sich in der Gegenwart und Zukunft fühlt oder verhält.

Es müssen vier Dinge zusammen kommen, damit Experten von einer traumatischen Situation sprechen:

  1. Lebensgefahr: oder die Beobachtung, dass jemand anderes sich in Lebensgefahr befindet oder aber es gab eine Gefahr für das „seelische Gleichgewicht“ (schlimmster Verrat, Missbrauch von Gefühlen und Vertrauen, sexuelle Gewalt).
  2. Flucht ist nicht möglich.
  3. Kämpfen oder sich anders zur Wehr setzen ist nicht möglich.
  4. Es kommt zu einer sehr bedrohlichen Hilflosigkeit, die mit traumatischer Ohnmacht gleichzusetzen ist.

Wenn sich eine traumatische Situation ereignet, entsteht traumatischer Stress im Körper. Der Organismus kann diesen enormen Stress nicht verkraften und es kommt sogar zu verschiedenen Veränderungen im Gehirn. Dieser Stress kann Störungen verursachen und Symptome produzieren (z.B. psychosomatische Beschwerden, belastende Träume, wiederkehrende Erinnerung an das Ereignis, intensive Belastung wenn man an die Situation denkt, bewusstes Vermeiden des Themas, Interessenverlust, übertriebene Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gefühle wie Trauer oder Wut). Eine gute Möglichkeit und wissenschaftlich fundierte Behandlung um diesen traumatischen Stress zu lindern und die Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist die Methode EMDR (Eye Movement Desensitization And Reprocessing).

EMDR Behandlung

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung bedeutet. Mit der EMDR-Methode können Traumafolgestörungen bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen behandelt werden. 2006 hat der wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie EMDR als wissenschaftlich begründete Psychotherapiemethode anerkannt. Die Wirksamkeit von EMDR ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Die Forschungsergebnisse zeigen: Nach der Behandlung einer einfachen posttraumatischen Belastungsstörung mit EMDR fühlen sich 80 Prozent der Patientinnen und Patienten deutlich entlastet – und das bereits nach wenigen Sitzungen. Ein zentrales Element der EMDR-Behandlung ist die Nachverarbeitung der belastenden Erinnerung unter Nutzung bilateraler Stimulation: Die PatientenInnen folgt den Fingern der Therapeutin mit den Augen, während diese ihre Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. Diese Stimulation unterstützt das Gehirn, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. EMDR basiert darauf, dass jeder Mensch über eine natürliche Fähigkeit zur Informationsverarbeitung verfügt, mittels dessen er belastende Erfahrungen verarbeiten kann. Die Augenbewegungen des Klienten sind mit den Augenbewegungen im REM-Schlaf vergleichbar – der Phase des Schlafes, in der die Geschehnisse des Tages verarbeitet werden.

Am Anfang der EMDR-Behandlung diagnostiziert die Therapeutin in einer ausführlichen und fundierten Anamnese das Trauma und die mit ihm verbundenen belastenden Symptome. Damit PatientenInnen sich vorsichtig der Traumathematik nähern können, schafft die Therapeutin mit viel Einfühlungsvermögen einen sicheren und geschützten Rahmen. Nur dann ist es möglich die mit dem traumatisierenden Geschehen verbundenen Bilder und Situationen anzusehen und sie von den belastenden Emotionen entkoppeln. In der Regel leitet die Therapeutin während einer Sitzung mehrere Sequenzen der Augenbewegungen an, die eine halbe bis eine Minute dauern. Achtsam leitet sie die PatientenInnen durch das Erinnerte und die dazugehörigen Empfindungen. Eine EMDR-Sitzung ist vergleichbar mit einer Zugreise: Die PatientenInnen fahren noch einmal an dem Geschehen vorbei – aber aus sicherer Distanz und in Begleitung ihrer Therapeutin. Im weiteren Verlauf der Sitzung verblasst die belastende Erinnerung Stück für Stück und die Symptome des Traumas werden aufgelöst. Die PatientenInnen lernen, mit den alten traumatischen Erinnerungen und Gedanken umzugehen und können eine neue, angemessenere Perspektive auf das Geschehen entwickeln.

EMDR ist eine vergleichsweise schonende Behandlungsmethode bei: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Auswirkungen belastender Lebenserfahrungen (Unfälle, medizinische Maßnahmen, lebensbedrohlich erlebte Erkrankungen, kränkende Erfahrungen, Mobbing), starke Trauer nach Verlusterlebnissen, Folgen von Bindungstraumatisierungen, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen von Kindern, Depressionen, Angst- und Panikstörungen, psychophysische Erschöpfungssyndrome, chronische Schmerzen.

Je jünger Kinder sind, desto massiver wirken sich traumatische Erlebnisse auf deren Persönlichkeitsentwicklung wie auch auf die noch nicht ausgereifte Gehirnentwicklung aus. Aus diesem Grund wird EMDR bei jungen Kindern – kindgerecht – angewandt: beispielsweise in Form einer Narrativgeschichte. Die Stimulation erfolgt hier entweder durch Geräusche über den Kopfhörer, abwechselnd auf beiden Seiten oder in Form von Berührungen wie abwechselndes Klopfen der Handrücken. Bei Kindern im Kindergartenalter und jünger erfolgt die EMDR Behandlung im Idealfall mit einer vertrauten Bindungsperson. Das geht jedoch nur, wenn die Person stabil ist und nicht in das Trauma involviert war oder aus der eigenen Kindheit ähnliche Traumata erlebt hat.

Aus der Kinderperspektive kann ein Trauma sich wie folgt bemerkbar machen:

Seit dem schrecklichen … verhalte ich mich anders:

Ich schlafe schlecht, kann mich nicht gut konzentrieren, manchmal bin ich wie im Nebel und habe Erinnerungslücken…

Oft geht es mir sehr schlecht, ich habe sehr große Angst oder Panik, ich weine viel, traue mir nichts mehr zu und würde am liebsten nur noch bei Mama oder Papa sein…

Manchmal kippt die Stimmung und ohne erkennbaren Grund werde ich total ärgerlich und flippe aus…

Hypnotherapie

Im Unterschied zum Wachzustand erlebt ein Mensch in einer hypnotischen Trance traumartig, also mehr in Bildern. Die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet. Dadurch ist man empfänglicher für eine bildhafte, symbolische Sprache bei der Suggestion, für Vergleiche, Märchen und Analogien. Entgegen landläufiger Meinung ist man in Hypnose keineswegs willenlos. Als Therapeut kann man durch Suggestionen und Metaphern der inneren Realität des Patienten Impulse geben und Suchprozesse nach Lösungen anstoßen. Die äußere Realität tritt für den Patienten in den Hintergrund. Dieser Zustand lässt sich ein wenig mit Tagträumen, Meditation oder tief versunkenem Lesen vergleichen. Ängste, Schmerzen und traumatische Erfahrungen können in der Trance durch Dissoziation (Abspaltung) stark abgeschwächt oder sogar völlig abgetrennt werden. Andererseits können fehlende Erfahrungen bei der Bearbeitung von belastenden Erlebnissen assoziiert (verknüpft) werden. Manchmal ist es sinnvoll, den Patienten in die Zukunft hineinzuversetzen, z.B. um so schwierige bevorstehende Situationen in der Vorstellung zu bewältigen und somit neues Verhalten einzuüben. Es werden z.B. Aufgaben gegeben, die unerwünschte aber gewohnte Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster durchbrechen. Während einer Hypnotherapie wird man als Patient konsequent auf seine Ressourcen, Kräfte und positiven Fähigkeiten orientiert.

Entspannungsverfahren

Beispielsweise werden Autogenes Training und progressive Muskelentspannung aber auch Phantasie-Traumreisen genutzt, um Kindern und Jugendlichen Entspannungsräume zu ermöglichen. Autogenes Training ist eine Methode der Selbstbeeinflussung, der Autosuggestion, die aus der Hypnose abgeleitet wurde. Dabei wird das Ziel verfolgt, sich selbst in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen. Bei der Progressiven Muskelentspannung handelt es sich um ein Verfahren, bei dem durch die willkürliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers, und dadurch auch des Geistes, erreicht wird. Die Konzentration der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gelegt. Sowohl das Autogene Training, wie auch die Progressive Muskelentspannung, werden häufig unterstützend bei Angsttherapien und der Behandlung psychosomatischer Beschwerden eingesetzt.